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YouTube: „Warum es YouTube nächstes Jahr nicht mehr gibt“ – Gastbeitrag von Eva Ihnenfeldt

Kurz nachdem die YouTube-Chefin Susan Wojcicki  in einem offenen Brief vor den Konsequenzen der geplanten EU-Urheberrechtsreform gewarnt hat – und alle Video-Creator und YouTube-Nutzer gebeten hat, gegen diese Reform zu protestieren – haben am 2. November die beiden YouTuber vom Kanal „Wissenswert“, Simon Difabachew und Felix Härlen, ein Video veröffentlicht, das innerhalb von drei Tagen schon über drei Millionen Aufrufe, über 170.000 Likes und 50.000 Kommentare zählt.

In dem 5-Minuten-Video (hier eingebettet), warnen die beiden Studenten vor der Gefahr, dass Google/ YouTube unabhängige YouTube-Kanäle löschen könnte, um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden.

Doch ist diese Gefahr wirklich reell?

Was sagt die Presse?

Die meisten Pressereaktionen auf den viralen Hit mit dem Titel „Warum es YouTube nächstes Jahr nicht mehr gibt“ kommentieren, dass die beiden Studenten zu Unrecht Panik schüren mit ihrer Vision, dass YouTube zu einer Mediathek von großen Verlagen und Medienanstalten wird, die sich spezielle Lizenzvereinbarungen mit Urheberrecht-Eignern leisten können. Und zwar könnte das passieren, da YouTube-Uploadfilter nie exakt genug sein können, um zuverlässig Urheberrechtsverletzungen direkt beim Upload von Videos zu erkennen und zu löschen.
Watson aus der Schweiz: Video sorgt für Panik

Der Brief von YouTube Chefin Susan Wojcicki

Tatsächlich liest sich der offene Brief der YouTube Chefin Susan Wojcicki (hier im Original) durchaus so.

Natürlich hat Google keine Lust, mit allen möglichen Rechteinhabern wie Musikfirmen, Verlagen und Filmrechteinhabern Lizenzvereinbarungen zu treffen. Das wäre nicht nur teuer, das wäre auch ein schier unlösbares Unterfangen, da jeder Urheber von geistigem Eigentum Rechte anmelden könnte, wenn YouTuber in ihren Videos aus seinen/ ihren Werken ausgiebig zitieren bzw. seine/ ihre Werke einbauen.

Sogar ich als Bloggerin könnte Google verklagen, wenn jemand in einem Video bei YouTube aus einem SteadyNews-Artikel vorliest.

Das geplante EU-Urheberrecht, das im Mai 2019 endgültig vom EU-Parlament verabschiedet werden soll, verlagert die Verantwortung der Urheberrechtsverletzungen von den Creator’n hin zu den Plattformbetreibern wie YouTube, Twitter, Tumblr, Facebook etc. Das besagt der Artikel 13 des Gesetzes. Und das hat ungeheuerliche Konsequenzen.

Sollte eine Plattform keine Uploadfilter bereitstellen, würden Geldbußen in enormer Höhe fällig – für jeden einzelnen Urheberrechtsverstoß. (Kluge Uploadfilter erzeugen übrigens  so extrem hohe Entwicklungskosten, dass kleine Social-Plattform-Gründer schon allein wegen dem Artikel 13 eine extrem hohe Markteintrittsbarriere vorfinden. Welches frische, öffentlich zugängliche  soziale Netzwerk mit User Generated Content könnte so einen komplexen Uploadfilter programmieren und pflegen?)

YouTube: „Warum es YouTube nächstes Jahr nicht mehr gibt“ - Gastbeitrag von Eva Ihnenfeldt 2

Mag sein, dass die beiden Wissenwert-YouTuber mit ihrem Video“Warum es YouTube nächstes Jahr nicht mehr gibt übertreiben und mal wieder „nichts so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird“ – doch sie zeigen in den fünf Minuten sehr schön auf, wie hoch der Nutzen für uns alle ist, dass es diese vielen unabhängigen Publisher bei YouTube, Instagram und Co gibt.

In der Zwischenzeit gibt es auch viele weitere Warn-Videos von bekannten YouTubern. Unter dem Hashtag #SaveYourInternet gibt es auch bei Twitter internationalen Protest. Ein Petitionsaufruf ist ebenfalls im Video von Wissenswert verlinkt.)Habe natürlich bereits unterzeichnet)

Meine Meinung zur EU-Urheberrechtsreform

Als Freiheitsliebhaber geht mir schon seit geraumer Zeit die Regulierungswut unserer EU-Politiker mächtig gegen den Strich. Natürlich gibt es Populisten, Verschwörungstheoretiker, falsche Propheten, oberflächliche Schmink-Tussis und Counterstrike-LetsPlayer, aber dann erproben wir eben unsere Freizeit-Interessen – und lernen Medienkompetenz!

Natürlich wollen Schriftsteller, Fotografen, Verlage und Musikproduzenten ihre Einnahmequellen schützen gegen Piraten und Raubritter. Aber die Welt hat sich nun mal gedreht. Analog funktioniert anders als digital. Lernt doch endlich daraus und nutzt es positiv!

Vielleicht sollten wir Europäer mal lieber einen Schritt NACH VORN gehen als zwei zurück durch Mauern und Geldstrafen-Stacheldraht.

Es ist ein unglaublicher menschlicher Entwicklungsschritt, dass unbekannte Nachhilfelehrer Kindern in ganz Deutschland über YouTube kostenlose Nachhilfe geben können, und dass junge Menschen sich unternehmerisch ausprobieren können mit ihren Lets-Play-Videos und Schönheits-Tipp-Videos.

Lasst den Planten endlich frei! Mit Eurer Kontrolle seid Ihr auf einer Stufe wie ein autokratischer Polizeistaat. Das wollen wir nicht. Wir wollen kreative Intelligenz und Meinungsvielfalt – auch mit Populisten und Verschwörungstheoretikern.

Das Dumme entlarvt sich schon selbst.

Habt doch mal ein bisschen Vertrauen!

 

YouTube: „Warum es YouTube nächstes Jahr nicht mehr gibt“ - Gastbeitrag von Eva Ihnenfeldt 3Über Eva Ihnenfeldt

Als Expertin für Social Media Marketing berät und begleitet Eva Ihnenfeldt Unternehmen und Organisationen bei der Entwicklung von Social Media Strategien – und übernimmt als Dozentin Lehraufträge für Hochschulen, Kammern und andere Bildungsträger. Eva Ihnenfeldt – Mobil: 0176 80528749 –       E-Mail: e.ihnenfeldt@gmail.com

 

 

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